Nachdem wir schon im März vergangenen Jahres während unserer Tour zur Triton Bucht in Kaimana Schwierigkeiten mit der Hafenmeisterei hatten, scheinen sich diese Schikanen zu einer echten Bedrohung und Abzockerei auszuweiten.
So musste die MV Damai eine Mitte März geplante Tour zur Triton Bucht abblasen, nachdem ‘Harbour Officials’ in Kaimana horrende Summen als Eintrittsgebühr zur Triton Bucht verlangten. Sie drohten sogar damit das Schiff zu zerstören, sollte der Kapitän nicht die verlangt Gebühr bezahlen. Dem Kapitän eines anderen Schiffes passierte Ähnliches. Auch er wurde massiv in Kaimana bedroht und musste seine geplante Tour abbrechen.
Bei meinem letzten Besuch einer der Hotspots der Artenvielfalt in Indonesien, in Ambon auf den Molukken, kam ich auch ins Gespräch mit unseren beiden Tauchguides. Beide hatten vorher in Lembeh in renomierten Resorts (Kungkungan Bay Resort und Lembeh Divers Lodge) gearbeitet und waren bei Larry Smith in die Lehre gegangen.
Sie hatten also in Lembeh eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten und waren mit den Tieren, die wir in Ambon fanden, bestens vertraut. Beide meinten, dass Ambon besser als Lembeh sei, vor allem wegen der guten Sicht und wegen der noch fehlenden Konkurrenz anderer Tauchbasen. Einer der beiden erklärte mir dann sogar, er werde bei seinem nächsten Besuch in Lembeh einige Banggai Kardinalfische aus Lembeh mitbringen, die würden in Ambon noch fehlen. Dann hätte man alles, was Lembeh zu bieten hat und sogar noch einige Arten mehr.
Das machte mich hellhörig, denn auch der Banggai Kardinalfisch kam ursprünglich in Lembeh überhaupt nicht vor. Er wurde in den 90iger Jahren aus dem nur schwer zugänglichen Banggai Archipel nach Lembeh gebracht, um in der Nähe des internationalen Flughafens von Manado, ein leicht erreichbares Reservoir dieses beliebten Aquarienfisches aufzubauen. Dies ist auch vortrefflich gelungen. Die Banggai Kardinalfische haben sich zur Freude der Aquarianer und der UW-Fotografen prächtig vermehrt und machen in den Seeanemonen den einheimischen Anemonenfischen das Leben schwer. Sie nutzen nämlich dasselbe Habitat wie die beliebten Clownfischarten.
Tatsächlich ist es in Lembeh ein offenes Geheimnis, dass sich die Tauchguides einiger Resorts (die Mehrheit macht so etwas natürlich nicht!) gegenseitig die interessantesten Motive für UW-Fotografen wegnehmen und an anderen Orten, möglichst nahe beim eigenen Resort, wieder aussetzen. Das lohnt sich besonders bei relativ stationären Arten. Wenn man ein Pärchen der Harlekingarnele einfängt, an einem anderen Tauchplatz mit guten Versteckmöglichkeiten und einem ausreichenden Angebot an Seesternen wieder aussetzt, kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Tierchen auch dort bleiben werden. Das funktioniert auch mit Zwergseepferdchen, Anglerfischen und Rhinopias. Auf diese Art und Weise können besonders Resorts, die etwas abgelegener liegen, sich in der näheren Umgebung der Tauchbasis ein Angebot mit allen Lembeh-Highlights aufbauen. Die Gäste sind glücklich, haben nur kurze Ausfahrten und der Resortbesitzer spart obendrein noch Sprit.
Dieser Transport von Arten in Indonesien von einem Tauchplatz zum anderen könnte auch ein Grund dafür sein, dass man z. B. den berühmten Ambon-Skorpionfisch zwar in Lembeh und Bali findet aber nicht mehr dort, wo er ursprünglich am häufigsten auftrat – in Ambon. Zufall? Ich bin mir da nicht sicher. In Ambon ist man auf jeden Fall davon überzeugt, dass Ambon-Skorpionfische im Flugzeug aus Ambon nach Bali und Lembeh transportiert worden sind und dass dies so radikal und gründlich geschah, dass man nun in Ambon keine mehr findet.
Ich habe in meiner Blogroll einen Link auf die WWF Coral Triangle Photo Expedition gesetzt. 18 Monate lang wird die Expedition verschiedene Hotspots der Artenvielfalt im Korallendreieck zwischen den Philippinen im Norden und Indonesien/Neuguinea im Süden aufsuchen. Im Moment ist die Karawane im Raja Ampat Gebiet bei Max Ammer im Sorido Bay Resort eingefallen und dokumentiert die Artenvielfalt dieser Region in ihrem Blog.
Seit einiger Zeit häufen sich Berichte über eine Zunahme illegaler, rücksichtsloser Fischereiaktivitäten im Komodo Nationalpark. Seit November 2009 gibt es Hinweise, dass illegales Fischen im Nationalpark drastisch zugenommen hat. Die Fischer scheinen eine neue Technik der Cyanidfischerei einzusetzen. Man arbeitet mit präparierten Ködern, die Cyanid enthalten und zu massenhaftem Fischsterben führen. Viele kleinere Fische werden einfach zurückgelassen und bleiben zu Hunderten auf dem Meeresboden liegen. Im Februar kam ein neuer Hilferuf von einem der Komodo-Tauchschiffe. Die Schiffsbesatzung war von Fischern bedroht worden, die ihre Netze über zwei der besten Tauchplätze ausgeworfen hatten.
Von den Nationalpark-Rangern und ihren Patrouillenbooten war seit November nichts mehr zu sehen. Man reibt sich verwundert die Augen. Jährlich zahlen alle Besucher des Komodo Nationalparks
- und darunter besonders viele Taucher – Nationalparkgebühren in Höhe von 15 – 35 $ sowie eine Steuer in Höhe von 40.000 Rupien für jeweils max 3 Tage. Bisher schien dieses Geld auch gut angelegt zu sein. Die Ranger kontrollierten den Nationalpark erfreulich effektiv und der Fischbestand entwickelte sich insgesamt positiv. In den letzten Jahren hat leider die Intensität der Überwachung stark nachgelassen. Schon 2008 berichtete Graham Abbott von Diving4Images über illegale Fischerei im Nationalpark und untätige Parkwächter. Mittlerweile hat sich diese schleichende Verschlechterung zu einem echten Skandal entwickelt.
Die für diesen Skandal verantwortlichen Organisiationen PNK (Putri Naga Komodo) und BTNK (Balai Taman Nasional Komodo) befinden sich im Moment in einem Umstrukturierungsprozess. Zuständigkeiten sollen verlagert werden und die bisher von PNK durchgeführten Patrouillen sollen in Zukunft von BTNK durchgeführt werden. Da diese Umstrukturierung aber in Jakarta verhandelt und beschlossen werden soll, hat PNK einfach erklärt bis zum Abschluss der Verhandlungen in Jakarta sämtliche Patrouillen im Nationalpark einzustellen. M.a.W. der Komodo Nationalpark ist seit geraumer Zeit ungeschützt und droht, wenn nicht schnell etwas passiert, von illegalen Fischern ausgeraubt zu werden.
Was kann man dagegen tun? Eine leicht realisierbare Möglichkeit wäre ein Besuch der offiziellen Komodo Nationalpark – Website www.putrinagakomodo.com. Dort kann man sich zur Kontaktseite weiterklicken und in Englisch seinen Protest gegen die Untätigkeit der Parkverwaltung kundtun.