Das Tauchgebiet um die kleine Insel Alor in Indonesien liegt östlich
von Flores und ist Teil des Vulkangürtels der sich über Sumatra,
Java und Bali in weitem Bogen nach Osten schwingt.
Die Anreise erfolgt über Denpasar (Bali) nach Kupang, der Hauptstadt
von West-Timor. Graham und Donovan Whitford organisieren in dieser nur
von einer Handvoll Touristen jährlich besuchten Gegend Indonesiens
seit 1992 Taucherlebnisse der Extraklasse. Erst seit 2005 sind weitere
Tauchbasen in Alor hinzu gekommen.
Wir haben Alor seit 1996 fünf Mal besucht. Zuerst angelockt von den geradezu
euphorischen Berichten in einigen Tauchzeitschriften, die besonders
die
große Zahl von Großfischen betonten, haben wir mittlerweile
auch die Makro-Seite von Alor entdeckt. Sowohl was die Großfische
als auch die Zahl der "Critters" betrifft, braucht sich Alor
hinter Komodo nicht zu verstecken.
Neben Manado, Komodo
und der Raja Ampat Region gehört Alor zweifellos
zu den Hot Spots der Artenvielfalt in
Indonesien. Bei unseren letzten Besuchen Alors an Bord der Temukira
im August 2005 zusammen
mit einem der besten Tauchführer Indonesiens, Graham Abbot von Diving4Images und
im Sommer 2006 bei Alor Divers wurde
diese Einschätzung eindrucksvoll bestätigt.
Dank der Pionierarbeit der Whitfords bietet die Meerenge zwischen Alor
und Pantar eine Vielzahl von Weltklasse-Tauchplätzen. Orte mit Namen
wie „The Bullet",und „Sharks Gallore" deuten an, was Tauchen in Alor bedeutet:
Großfische und Strömungen, die manchmal so stark sind, daß
man schon aufpassen muss, wenn man nicht Maske und Lungenautomat verlieren
möchte.
Die Richtung und Intensität der Strömung ändert sich dauernd
und da, wo man am Morgen noch einen gemütlichen Tauchgang mit nur
geringer Strömung gemacht hat, kann es schon am Nachmittag wie in
einer Waschmaschine im Schleudergang zugehen.
Die Meerenge zwischen Pantar und Alor wirkt wie eine gigantische Düse,
durch die das Wasser der Flores See im Norden und der Savu See im Süden
gepresst wird. Vergleichbare Stömungsverhältnisse gibt es in
Indonesien nur noch in den Gewässern um die berühmte Dracheninsel
Komodo, die in derselben Inselkette weiter westlich liegt.
Diese außerordentlichen Strömungsverhältnisse sorgen
auch für extreme Wassertemperaturen. Im Süden ist es im Sommer
empfindlich kalt (+/- 21° C) während man im Norden angenehme
27°C vorfindet.
Viele Strandabschnitte mit schwarzem vulkanischen Sand laden zu Makro-Tauchgängen
ein. Critter-Liebhaber kommen in Alor garantiert auf ihre Kosten.
Wir haben während unserer vier Aufenthalte in Alor
(1996, 1997, 2005 und 2006) einen großen Teil der etwa 30 verschiedenen
Tauchplätze
kennen gelernt und waren begeistert von einer großartigen Unterwasserwelt.
Die Vielfalt der Korallen ist beeindruckend, und nirgendwo sind Schäden
erkennbar. Trotz anders lautender Berichte konnten wir nach 8 Jahren
Alor-Abstinenz
bei unseren letzten beiden Besuchen im August 2005 und 2006 keine Hinweise
auf Dynamitfischerei entdecken. Die Riffe sind in einem ausgezeichneten
Zustand und unbeschädigt.
An Großfischen kann man neben Weißspitzen- und Grauen Riffhaien,
die alle etwas größer sind als anderswo, große Thunfische,
Zackenbarsche, Mondfische und mit etwas Glück Mantas und Walhaie
sehen. Auch das Schnorcheln mit Pilotwalen, die sich häufig in der
Meerenge aufhalten, ist möglich. Im Sommer 2005 hielten sich zwei
Buckelwale etwa 20 Minuten lang in unmittelbarer Nähe unseres Schiffes
auf. Wir waren mit Sichtweiten zwischen 20 und 30 Metern zufrieden.
Es gibt zwei Möglichkeiten in Alor zu tauchen. Entweder man
entscheidet sich für eine landbasierte Lösung oder besucht Alor
im Rahmen einer Tauchsafari mit einem Liveaboard.
Landbasiert
Auf Alor Kecil, einer kleinen, vorgelagerten Insel,
gibt es seit mehreren Jahren ein kleines Resort mit Tauchmöglichkeit. La
p´tite Kepa ist eine einfache Anlage, in der vor allem
Backpacker unterkommen.
Ein neues, komfortableres Resort, Alor
Divers,
wurde im Sommer 2006 auf Pantar, der Nachbarinsel von Alor, eröffnet.
Wir waren im August 2006 dort und
haben
es auf Anhieb
zum besten Resort auf Alor erkoren. In bisher sechs fertig gestellen
geräumigen Bungalows am Strand kann man komfortabel wohnen. Alle Bungalows
verfügen über ein Badezimmer mit Dusche (warm & kalt) und WC sowie großer
Terrasse. Die Tauchbasis ist gut sortiert und wird professionell geführt.
Ein großes Restaurant mit Lounge und kleiner Bibliothek lädt zum Relaxen
ein.
Mit dem mit 140 PS motorisierten Tauchboot von Alor Divers sind nun
sämtliche Tauchplätze in der Pantar Straße innerhalb von 5 bis 30
Minuten erreichbar. Alle anderen landbasierten Tauchanbieter müssen erst
den
langen Weg durch die 15 km lange Kalabahi Bucht zurücklegen,
bevor sie die Tauchplätze erreichen können.
Eine weitere von Thomas Schreiber geleitete
Tauchbasis Alor Dive befindet
sich in Kalabahi. Man muss dann - genauso wie die Gäste der Whitfords
- in Kalabahi übernachten. Das ist zwar auch ganz interessant, wir fanden
allerdings die Alternative auf Pantar bei Alor
Divers mit den Bungalows
am Strand erheblich attraktiver.
Durch eine neue Flugverbindung Kupang - Alor mit größeren
Maschinen als bisher ist auch die Anreise viel einfacher geworden.
Tauchsafaris
Video: Von Flores nach Alor. Walfänger in Lamalera
Als Alternative kann man Alor auch mit dem Tauchschiff besuchen. Viele
Veranstalter bieten Safaris von Komodo nach Alor (10 - 12 Tage) oder von
Maumere nach Alor (7 - 10 Tage) an. Allerdings sollte man sich hier nur
in die Hände erfahrener Veranstalter geben. Im Internet finden sich
Berichte von Tauchern, die von unerfahrenen Tauchguides und nur nach GPS-Daten
navigierenden Kapitänen an den unmöglichsten Stellen zum Tauchen
ins Wasser gelassen wurden. So findet man beispielsweise eine Beschreibung
des berühmten Tauchplatzes "Kal´s Dream" und muss
nach Lektüre des Berichts feststellen, dass dieserTauchgang möglicherweise
in Alor stattgefunden hat - mit Sicherheit aber nicht am richtigen Tauchplatz!
Dass man mit erfahrenen Guides und einem guten Schiff in Alor ausgezeichnete
Tauchgänge erleben kann, konnten wir im August 2005 an Bord der Temukira
erleben. Neben allerlei Großfischen (Adlerrochen, div. Haien) hatten
wir uns auf "Critters" spezialisiert. Hier ein kleiner Auszug
aus unserem Logbuch (in Englisch):
Auszug: Logbuch der Safari mit der Temukira im
August 2005
Tauchplatz
Highlights
Pulau Lapan
Orang utan crabs galore, great reef, small school of baracuda
Pulau Buaya, Alor
Great wall dive with some nice nudi's
Kalabahi Bay, Alor
Zebra crabs, many nudi's, tiger shrimps, bobtail squids, strange
frogfish species
Leider sieht man während des Tauchurlaubs nichts
von dem faszinierenden Innern der Insel. Immerhin gab es hier noch zu
Beginn des vergangenen Jahrhunderts Kopfjäger, und auch heute noch
leben die Aloresen sehr traditionell in ihren hohen, grasbedeckten Bambushütten.
Wir empfehlen daher dringend, zusätzlich einige Tage für
die Erforschung des Landesinneren zu reservieren.
Von Kalabahi aus ist das traditionelle Dorf Takpala einfach
zu erreichen. Wer mit einer kleinen Reisegruppe anreist, kann nach Voranmeldung
auch traditionelle Tänze der Bewohner vorgeführt bekommen. Es lohnt sich
auf jeden Fall.
In Kalabahi empfehle ich den Besuch des von der ehemaligen
Ordensschwester Gisela Borowka geleiteten Waisenhauses 'Panti Asuhan
Damian' in der Jalan Banteng Nr. 17. Gisela ist Deutsche und freut sich
besonders über Besuche deutschsprachiger Gäste. Sie finanziert
das Waisenhaus mit ihrer Rente und Spenden. Über unseren letzten Besuch
habe ich im BodeBlog berichtet.